Anger-Crottendorf 2028 – die Stadtverwaltung informiert

  • Veröffentlicht: Samstag, 06. März 2021 18:34

Am 3. März präsentierte die Stadtverwaltung ihre Pläne für Anger-Crottendorf einem nicht ganz so großen Publikum. Denn die aufgrund der aktuellen Lage nur digital stattfindende Veranstaltung schloss so einige weniger Technik-Affine aus. Zudem ließ das gewählte Videokonferenz-Tool nur 100 Teilnehmende zu. Das Interesse war, anders als bei bisherigen Veranstaltungen, wesentlich größer. Darum wird diese Veranstaltung auch wiederholt – wenn es die Umstände zulassen dann auch in Präsenz.

Die digitale Veranstaltung fand zu diesem Zeitpunkt überhaupt nur statt, weil im vergangenen Jahr die Leipziger Zeitung und der Anger-Crottendorfer Anzeiger darüber berichteten, dass hinter der alten Feuerwache Ost auf den dort befindlichen Garagenhöfen eine Grundschule gebaut werden soll. Seitdem kursierten Gerüchte. Der Bürgerverein Anger-Crottendorf forderte eine Stellungnahme der Stadtverwaltung ein, die auch am Garagenhof aushing. Eine vom Bürgerverein Anger-Crottendorf noch vor Weihnachten geplante Bürgerversammlung durfte am 19.12.2020 pandemiebedingt nicht stattfinden. Der Druck auf die Stadtverwaltung sich zum Thema zu äußern, stieg weiter.

Am Mittwochabend der ersten Märzwoche gab es dann zwei Stunden lang Informationen zur Entwicklung des Geländes der alten Feuerwache Ost, dem Grundschulstandort, die Vorplatzgestaltung, den Parkbogen. Moderiert vom Quartiersmanagement Leipziger Osten waren viele Ämter der Stadt zugeschaltet und erklärten, was bis zum Jahr 2028 in Anger-Crottendorf passieren wird.

Der erste Wortbeitrag des Abends stammte allerdings von einer Anwohnerin, die sich sehr darüber freute, dass eine Schule das Viertel beleben wird. Gleichzeitig zeigte sie sich doch verwundert, dass eine solch große, in einer wachsenden Stadt wertvolle Fläche weiterhin für einen Garagenhof bereitstehen soll. Bei diesen freundlich-einladenden Worten sollte es nicht belieben.

Den ersten Informationsaufschlag machte dann das Amt für Schule. Kevin Klug und Jochem Lunebach erläuterten den Bedarf an Grundschulplätzen im Schulbezirk Ost. Grundlage ist der Schulentwicklungsplan, dessen Fortschreibung bis 2030 der Stadtrat 2019 bestätigte. Die dynamische Bevölkerungsentwicklung der vergangenen Jahre führt zu einem deutlichen Mehrbedarf an Schulplätzen im Grundschulbereich. Zusätzliche 78 Klassen für bis zu ca. 2.180 Schülerinnen und Schüler werden bis zum Jahr 2030 prognostiziert.

Da die bestehenden Schulen im Schulbezirk maximal ausgelastet und deren Ausbaupotenziale inzwischen ausgeschöpft sind, wird es nötig weitere Schulhäuser zu bauen. So werden in der Gregor-Fuchs-Straße hinter der alten Feuerwache Ost auf den jetzigen beiden Garagenhöfen eine vierzügige Grundschule für 16 Klassen bzw. 448 Schülerinnen und Schüler entstehen. Ein weiterer neuer Grundschulstandort wird in der Döbelner Straße entwickelt. Dort wird dreizügig für 12 Klassen und 336 Schülerinnen und Schüler gebaut.

Im Anschluss erklärte das Stadtplanungsamt, warum es sich für den Standort der Garagenhöfe entschieden hatte – bzw. entscheiden musste.

Ruth Rabenberg begründete warum die geprüften Alternativstandorte – darunter das LWB-Grundstück Hanns-Eisler-Straße, der Crottendorfer Plan, die Fläche neben der DLRG – nicht geeignet sind. Oft scheiterte es an der Größe des Grundstückes, den Eigentumsverhältnissen oder der abgelegenen Lage. Ein Grundschulneubau für 448 Schüler*innen benötigt nach heutigen Bauvorschriften ca. 13-15.000 m² Grundfläche. Grundschulen werden zudem generell wohnortnah gebaut, damit die Schülerinnen und Schüler zu Fuß die Schule erreichen können. Dabei lernen sie sich im Straßenverkehr korrekt zu verhalten, um sich darin schon bald selbst fortzubewegen.

Die vierzügige Grundschule wird viergeschossig aufgrund der zu erwartenden Anzahl der Schüler*innen. Normalerweise werden Grundschulen nur dreigeschossig gebaut, unterstrich Susann Von Hantelmann, Kollegin von Ruth Rabenberg. Dazu entsteht ein Bereich für einen Schulgarten, eine Zweifelder-Sporthalle, die auch von Vereinen genutzt werden kann, sowie Bewegungs- und Pausenflächen. Der Platzbedarf für einen Schulhof beträgt 10 m² pro Schulkind – an diesem Standort also 4500 m². Das ist mehr als die Grundfläche eines Garagenhofs. An welcher Stelle was genau entstehen soll, steht noch nicht fest. Die (Mit)Nutzung des Hauptgebäudes der Feuerwache als Schule entfällt, weil der Umbau der Räume unter den gegebenen rechtlichen Bauvorschriften Kosten verursachen würde, die nicht zu begründen sind. Zudem wäre das Gebäude für die Schüler*innenanzahl zu klein, weitere Flächen also zwingend nötig.

André Zeimer vom Liegenschaftsamt ging danach auf die Eigentumsverhältnisse der Garagenhöfe ein und machte deutlich, bis wann die Garagen noch genutzt werden können. Die Verträge enden am 31.12.2023.

Viele Teilnehmende an diesem Abend beschäftigte die aktuellen und zukünftigen Verkehrsverhältnisse im Stadtteil. Stephan Rausch vom Verkehrs - und Tiefbauamt (VTA) stellte die zweite Fortschreibung des Nahverkehrsplanes vor, welche 2019 vom Stadtrat beschlossen wurde. Darin beschrieben sind Maßnahmen zur Netzerweiterung des ÖPNV. Er ging auf die Untersuchungsaufträge zu einer Tramlinie durch Anger-Crottendorf sowie die Trassenfreihaltung in der Gregor-Fuchs-Straße ein, sowie auf den Prüfauftrag für eine Buslinie. Was die Situation der privaten Mobilität natürlich deutlich verbessern würde, wäre eine bessere Anbindungen des ÖPNV durch den Stadtteil und nicht nur um den Stadtteil herum. Herr Rausch verwies auf die Busnetzreform, die bis 2030 entschieden sein soll und eine TRAM-Anbindung Mölkaus bis 2040. Diese Jahreszahlen verwundern nicht. Die Planungen für einen Streckenneubau einer Straßenbahnlinie dauern deutschlandweit mindestens zehn Jahre. Das ist also wirklich Zukunftsmusik. Leider hat er sich nicht dazu hinreißen lassen, einen Termin für die Erschließung Anger-Crottendorfs zu nennen. Und auch die bereits vielfältigen Vorschläge, die nicht erst seit 2018 durch die Bürgerschaft und den Bürgerverein an das VTA herangetragen wurden und in Teilen bei dieser Veranstaltung noch einmal angesprochen wurden, hat Herr Rausch zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen, aber eigentlich nur in eine Schublade geschoben. Es hängt also an der Grundschule, so sieht es zumindest im Moment aus, wann der Bus in Anger-Crottendorf hält, denn die Schule bekommt definitiv einen ÖPNV-Anschluss. 

Zum Ende seiner Ausführungen brachte Rausch das Autothema nochmal auf den Punkt. Auch wenn Parkplatznot herrscht, haben sich alle Verkehrsteilnehmenden an die geltenden Regeln zu halten. Zudem hat niemand ein Recht auf einen Parkplatz - im Gegenteil. Alle Autofahrenden selbst stehen in der Pflicht sich einen Stellplatz zu suchen – wenn es nötig ist, dann eben auf Privatgelände. Daran wird auch der von Rausch aufgeführte Antrag des Stadtbezirksbeirates-Ost nichts ändern, der die Stadtverwaltung verpflichtet bis zum Ende des zweiten Quartals 2021 eine Anpassung der Parkordnung im Quartier zu prüfen.

Die fortschreitenden Erfolge am Parkbogen Ost stellte anschließend René Zieprich vom Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung vor. Erste Arbeiten an der alten S-Bahnstrecke sieht man bereits: Das Viadukt erstrahlt in neuem Glanz. Im Weiteren wird an der so genannten Crottendorfer Spange gebaut und bis 2024 die Zuwegung zum Lene-Voigt-Park realisiert. Der Platz zwischen Ostwache und Karl-Krause-Fabrik wird bis 2028 zu einem grünen Stadtplatz umgestaltet. Dazu wird es 2021/ 2023 eine Bürgerbeteiligung und einen Wettbewerb geben.

Zum Schluss brachte die Vorsitzende des Ostwache e.V. Lina Hurlin den Plan zum Nachbarschaftszentrum vor. Der Stadtrat hatte 2013/ 2015 beschlossen, dass die alte Feuerwache Ost als Nachbarschaftszentrum mit vielen niedrigschwelligen Angeboten für Menschen allen Alters entwickelt wird und auch bereits Gelder dazu in die Haushalte eingestellt. Der Ostwache e.V. arbeitet bereits seit 2015 an dem Zentrum und legt zum kommenden Konzeptvergabeverfahren sein Nutzungskonzept vor. Hurlin betonte das Interesse des Ostwache e.V. an einer synergetischen Zusammenarbeit zwischen Grundschule und Ostwache und freut sich auf ein lebendiges Miteinander zwischen Schüler*innen und Nutzer*innen.

Zu jedem Abschnitt der digitalen Veranstaltung konnten Fragen gestellt werden. Diese waren in Teilen geprägt von Wortbeiträgen Einzelner, die sich in langen Reden für ein schönes Lebensumfeld für alle einsetzen wollen. Beim genauen Hinhören wurde dann aber schnell klar, dass es sich nur um das persönliche Lebensumfeld dreht, welches sich doch bitte nicht zu verändern hat. Das war an diesem Abend dann die Zeit für die NIMBY-Position, das Not-In-My-Backyard-Prinzip, zu Deutsch: nicht in meinem Umfeld oder auch das Sankt-Florians-Prinzip.

Auch im Chat ging es parallel kontrovers zur Sache. Hier trafen Pro- und Anti-Auto-Bewegte überwiegend anonym und ungefiltert aufeinander und nahmen viel Raum ein. Was allerdings sehr schade war, ging es doch in dieser Veranstaltung um wesentlich mehr als die privaten fahrbaren Untersätze. Bevor diese fragwürdigen Diskussionen jedoch zu sehr ausarteten, bat die Moderation um Sachlichkeit, die sich dann auch relativ schnell wieder einstellte.

Was auch auffiel, dass es wohl eine nicht zu gering anzusetzende Anzahl an Einwohner*innen gab, die zum allerersten Mal von dem Ostwache-Projekt hörten. Obwohl alteingesessen zeigte sich bei der Argumentation in einigen Wortbeiträgen und Fragestellungen ein gewisses Desinteresse an der Entwicklung des Viertels in den letzten Jahren. Und das, obwohl der Bürgerverein die Themen regelmäßig bei Veranstaltungen und in Publikationen aufs Tableau gehoben hatte.

Am Ende der Veranstaltung legten sich aber die Wogen etwas. Sind die bisherigen Gerüchte nun passé und allen klar, was in Zukunft im Stadtteil passieren wird.  Verabschiedet wurden alle Teilnehmenden dann mit sehr ehrlichen Worten von Petra Hochtritt. Die Abteilungsleiterin Stadterneuerung Ost gestand, dass Anger-Crottendorf lange Zeit von der Stadtverwaltung unbedacht blieb. Während sich in der Eisenbahnstraße und Umgebung viel entwickelte, wusste die Stadtverwaltung lange nicht, wo die Reise für Anger-Crottendorf hingeht. Mit dem Wachstum der Stadt wurde nun neue Infrastruktur auch im Quartier notwendig. Das freut Frau Hochtritt, denn mit dem Ihmelscampus und Projekt Ostwache sowie der angrenzenden Grundschule beginnt der bisher verschlafene Stadtteil aufzublühen.

 

Zeitschiene Grundschulbau

Planungsbeschluss im Stadtrat 2021

Baubeschluss im Stadtrat nach Beendigung der Planung

Kündigung Garagen zum 31.12.2023, danach Abbruch

Vergabe der Baumaßnahmen

Baustart Schule 2025

Beginn Schulbetrieb Schuljahr 2027/ 2028

 

Zeitschiene Ostwache

Konzeptvergabeverfahren noch 2021

Sanierung Hauptgebäude parallel zum beginnenden Betrieb ab 2022

 

Zeitschiene Parkbogen

Ende Arbeiten Viadukt 2021

Sanierung der beiden denkmalgeschützten Brücken 2021-2022

Realisierung Crottendorfer Spange mit Zuwegung zum Lene-Voigt-Park bis 2024 Bürgerbeteiligung und Wettbewerb zum „Polygraphplatz“ 2021/ 2023

 

Zeitschiene Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)

leider nichts Konkretes

zum Start des Schulbetriebes Erschließung des Schulstandortes durch Buslinie

 

Bürgeranfragen an den Bürgerverein

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