„Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

  • Veröffentlicht: Dienstag, 21. Dezember 2021 17:45

In der kleinen Serie über Menschen und Gärten im Stadtteil war der ACA in diesem Jahr schon zu Gast bei der Stadtgärtnerei ANNALINDE in der Straße Am Güterring und bei „Bunte Gärten“ in der Pommernstraße, im KGV „Anger-Crottendorf“ e.V. - Anlage II.
Den Abschluss bildet der KGV „Kultur“ e.V. in der Theodor-Neubauer-Straße. Dort fand Anfang November – frei nach dem Martin Luther zugeschriebenen Zitat – eine große und bisher einmalige Pflanzaktion statt.

Noch etwas ungläubig steht Holger Große, Vorsitzender des Kleingartenvereins (KGV) in einer Gruppe wartender Menschen am Rand des Festplatzes. Sein Blick wandert von links nach rechts. Auch im Blick hat er eine Gruppe von Geocachern (Deutsch: Schatzsuchende), die im Hintergrund durch den Gartenverein läuft. Hier wird demnächst ein Cache (Deutsch: Schatz) versteckt. Die Geocacher-Gemeinde ist Deutschlandweit aktiv. Das Versteck im KGV wird auf deren Homepage markiert und kann dann von vielen Cachern immer wieder gefunden werden. Es ist gerade viel los im Kleingartenverein.

Die wartenden Menschen im Vordergrund hören Thomas Gärtner zu. Er begrüßt die Gruppe, die sich an dem sonnigen aber kühlen Samstag Anfang November hier getroffen hat. Gärtner ist hier für die Aktionsgruppe „Leipzig pflanzt“. Diese hat sich zusammen mit den Omas-For-Future das Ziel gesetzt, 600.000 Bäume in Leipzig und Umgebung zu pflanzen – quasi für jeden Einwohnenden der Stadt einen. Dass das viel Arbeit macht, ist klar. Klar ist auch, dass dafür Unterstützung nötig ist. Die Herren Große und Gärtner stehen in einer Gruppe von ca. 20 hilfsbereiten Menschen allen Alters.

Als die Arbeitsgeräte und Aufgaben verteilt sind, schwärmen die Freiwilligen aus. Thomas Gärtner hat nun kurz Zeit und erzählt: „Wir pflanzen heute hier ca. 145 Gehölze, Bäume und Sträucher. Das ist sozusagen das Pilotprojekt von „Leipzig pflanzt“. Denn neue Flächen sind rar in der Stadt. Daher kamen wir auf die Idee, die Gemeinschaftsflächen im KGV zu bepflanzen.“ Bisher war die Aktionsgruppe im ehemaligen Braunkohlentagebau Peres vor den Toren der Stadt aktiv und hatte dort 13.000 Gehölze seit Herbst 2020 gepflanzt. Was im Tagebau zu allererst der Rekultivierung dient, sorgt im KGV für eine Erhöhung der Biodiversität. Darüber hinaus sind beide Aktionen wichtige Bausteine im Kampf gegen den Klimawandel. Und es soll nicht das einzige Projekt innerhalb der Stadtgrenzen bleiben. „Am 28. November pflanzen wir am Lärmschutzwall Kiebitzmark in Paunsdorf knapp 1.000 Sträucher. Etwas später dann noch am Gleisgrünzug in Plagwitz.“ Das Geld für die Gehölze stammt aus Spenden, überwiegend von Privatpersonen. Diese werden vom Trägerverein der Omas-For-Future „Leben im Einklang mit der Natur e.V.“ verwaltet. Vermehrt schenken sich Menschen nicht mehr irgendwelchen Quatsch, der ungenutzt verstaubt. Sondern zum Geburtstag oder zu Weihnachten gibt es dann eben einen Baum, den „Leipzig pflanzt“ in die Erde bringt.

Auf einer der Gemeinschaftsflächen buddeln Doreen und Aiana ein Loch für einen Apfelbaum. Beide sind aus Stötteritz nach Anger-Crottendorf gekommen um mitzuhelfen. Beide sind naturverbunden und Doreen liegt eine lebenswerte Zukunft für ihre Tochter Aiana am Herzen. Das Bild der beiden symbolisiert so wunderbar, wie die Elterngeneration der Nachfolgenden eine Zukunft baut, unterstützt von den Großeltern, hier in Form der Omas-For-Future. Unterstützend dabei ist auch Sabrina Rötsch vom NABU-Leipzig. Sie erklärt beiden, wie tief sie graben müssen und welchen Schnitt der Baum nach seiner Pflanzung noch bekommen muss. Bevor sie zur nächsten Fläche eilt, fragt der ACA noch schnell nach ihrer Motivation an dieser Aktion teilzunehmen. „Den NABU und den KGV verbindet eine langjährige Kooperation. Wir wollen den KGV mit der heutigen Aktion ökologisch aufwerten. Die Obstbäume sind mindestens Halbstämme, damit diese eine gewissen Höhe haben und eine Krone ausbilden. Die Verschattung fördert die Aufenthaltsqualität und in den Kronen können Vögel nisten. Vielleicht bildet sich irgendwann auch einmal eine Höhle aus.“ Außer dem Apfelbaum, den Doreen und Aiana eingraben, finden auch noch Zwetschgen und Süßkirschen ihren Platz im KGV.

An anderer Stelle entsteht zur selben Zeit eine Vogelschutzhecke aus heimischen Sträuchern, wie Holunder, Wildrosen, verschiedenen Beerensträuchern, Berberitze und Liguster. Die Hecke grenzt die Fläche des alten Boccia-Platzes ein, auf dem seit einiger Zeit noch mehr passiert. Dazu gleich mehr. Nach gut zweieinhalb Stunden ist die Pflanzaktion vorbei. Die Freiwilligen stärken sich an einem Buffet, welches die Omas-For-Future bereitgestellt haben.

Das ist auch der Moment, als Holger Große von einer geführten Runde durch den Gartenverein mit den Geocachern zurückkommt. „Das sieht ja richtig geil aus“, entfährt es dem vielbeschäftigten Mann, der vom linken bis zum rechten Ohr strahlt. Er freut sich sichtlich über die gelungene Pflanzpremiere, die nach nur sehr kurzen Absprachen mit allen Beteiligten im KGV stattfand. Noch mehr Grund zur Freude hat er, weil kürzlich ein neuer Spielplatz gleich neben der Vogelschutzhecke entstand. Hilfreich dabei waren die Fördermittel des Stadtverbands Leipzig der Kleingärtner e.V. Beziehungsweise ist dieser erst noch im Entstehen, Kleinteiliges fehlt noch und auch die KGV-eigene Holz-Lokomotive muss noch überarbeitet werden, bevor der Spielplatz den kleinen Gästen übergeben werden kann.

Aber es gibt noch mehr. „Zusammen mit Wabe e.V. haben wir überlegt, wie wir die große Fläche des Boccia-Platz neu gestalten können, um für unsere Besucher attraktiver zu sein. Aus diesen Überlegungen entsteht nun ein Labyrinth mit einem Barfußweg und Matsch-Strecke im Zentrum. Für Kräuterliebhaber gibt es eine große Kräuterspirale und von den heute auch am Spielplatz gepflanzten Obstbäume kann dann genascht werden“, erklärt Große. Das Ziel ist für ihn völlig klar: Ein Kleingartenverein als Ort des Gärtnerns, klimastabil sowie stark in der Biodiversität und ein guter Gastgeber für alle Bürgerinnen und Bürger des Stadtteil, die Naherholung auch als Erlebnis genießen wollen. „Dann gehen alle zufrieden nach Hause und sagen: ‚Das ist aber ein toller Verein‘“, ergänzt Große herzlich lachend.

Holger Große ist seit vielen Jahren Vorsitzender des mit ca. 4,2 Hektar eher kleinen KGVs. Und er hat den Verein wirklich zu einem tollen Verein weiterentwickelt. Vor einhundert Jahren stellte Karl Krause seinen Mitarbeitenden Flächen zur gärtnerischen Nutzung und Erholung zur Verfügung. Dieser Tradition und Erinnerung an einen sehr sozial eingestellten Industriellen folgend, pflegt der KGV noch heute einen Krause-Garten. Die Laube der Parzelle 84 ist nach Originalplänen und mit -farbgebung nachgebaut. Ein Gartenfreund bewirtschaftet den Garten wie vor 100 Jahren. Eine große Tafel weist auf das Erbe hin. Neben dem Imkergarten, Weingarten, Streuobstwiese, Kompostanlage gibt es auch noch 21 Tafelgärten. Auf deren 4.000m² großen Fläche wird vom Wabe e.V. Gemüse für die Leipziger Tafel angebaut.

Das Engagement Großes bleibt indes nicht unbemerkt. Auch wenn er sich gelegentlich mehr Lob von den eigenen Gartenfreund*innen wünscht, der KGV wird auch mit Auszeichnungen bedacht. In den Jahren 2014 und 2016 erhielt der KGV „Kultur“ e.V. die Ehrung als „Kleingartenanlage des Jahres“.

In diesem Jahr belegt der KGV den zweiten Platz im Landeswettbewerb „Gärten in der Stadt“ und ist damit automatisch für den Bundeswettbewerb im kommenden Jahr nominiert. Das hat selbst Holger Große überrascht, denn das gab es in der 117-jährigen Geschichte des Vereins noch nie. „Wir wollten eigentlich nur teilnehmen, um zusehen, wo wir stehen. Wir haben den Verein so dargestellt, wie er ist“, erzählt Große. „Die anderen Mitbewerber haben sich  gestylt und durchgeharkt.“ Es ist aber das Individuelle was Große und seine Gartenfreund*innen mögen und was letztendlich auch der Jury gefallen hat. Bei so vielen Auszeichnungen ist es dann auch fast selbstverständlich, dass der Kleingartenverein „Kultur“ e.V. beliebt ist wie nie. „Wir habe eine Warteliste mit 47 Namen“, sagt Große und geht für heute in den Feierabend.

Der ACA bedankt sich bei allen Teilnehmenden des Tages und wünscht dem KGV „Kultur“ e.V. viel Erfolg beim Bundeswettbewerb und viel positive Resonanz aus dem Stadtteil.

Kleingartenverein "Kultur" e.V.
Theodor-Neubauer-Straße 43
Eingang in der zweiten Reihe etwas versteckt am Bahndamm
Offen für Alle über Türsummer bis zum Einbruch der Dunkelheit
www.kgv-kultur.de

Aktion "Leipzig pflanzt"
www.leipzig-pflanzt.de

Spenden ab 5 Euro an:
Kontoinhaber: Leben im Einklang mit der Natur e.V. / LEIPZIG pflanzt
Verwendungszweck: Vorname, Nachname; Adresse für Spendenbescheinigung
IBAN: DE60 8309 4495 0103 4220 70
BIC: GENODEF1ETK
EthikBank eG




Ein Spaziergang entlang der östlichen Rietzschke – weitere Renaturierung beschlossen

  • Veröffentlicht: Dienstag, 21. Dezember 2021 17:39

Am 25. September hatte das Amt für Stadtgrün und Gewässer (ASG) zu einem der beliebten „Grün-Gänge“ in den Leipziger Osten eingeladen.
Im Rahmen des Projekts "Masterplan Grün" führte der Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar entlang der Östlichen Rietzschke.

Um 14 Uhr trafen sich an der Haltestelle Edlichstraße bei sonnigem Herbstwetter zwanzig interessierte Menschen. Nach kurzer Lagebesprechung ging es entlang der Wurzner Straße zum ersten Stopp. Am Übergang zum Kleingartenverein „Sellerhausen“ erklärten Mitarbeiter des ASG die neu entstandene, multifunktionale Grünfläche mit Retentionsfunktion und hohem Aufenthaltswert: Es entstehen Blühwiese, Totholzbereiche, Sandbänke, ein grünes Klassenzimmer, Aussichtsbereiche und ein Insektenhotel-Turm. Von der neu-errichteten Brücke über den Rietzschke-Graben hatte es einen schönen Blick auf den Ihmelscampus und gleich daneben auf den Übergang der Rietzschke in die Kanalisation. Die Retentionsfläche soll bei Starkregen das Wasser in der Fläche halten, bevor es in die Kanalisation geleitet wird. Schließlich ist diese in solch einem Fall schnell überlastet.

Hier konnte auch die Frage geklärt werden, warum die Erde mit Plastik-, Glas- und Keramikteilchen übersät war (der ACA berichtete). Die Erde der ehemaligen Gärten wurde 30 cm tief abgetragen und gesiebt. Dies geschah, um Wurzeln zu entfernen. Wäre das nicht geschehen, würden z.B. Brombeeren alsbald wieder alles überranken. Danach wurde die Landschaft mit dieser Erde modelliert und es blieben kleinteilige Fremdstoffe leider noch drin. Aus Kostengründen wurde die Erde nicht ausgetauscht.

Ebenso konnte geklärt werden, dass die Wege keine weitere Beleuchtung erhalten werden (der ACA berichtete). Hier gab es ein Abwägungsprozess zwischen Mensch und Natur. Insekten sollen auch in der Stadt einen Rückzugsort erhalten und ungestört von Lichteffekten leben. Menschen, die sich im Dunklen unwohl fühlen, können außen herum laufen. Das sollte für den Naturschutz in Kauf genommen werden.

Was leider noch nicht geklärt werden konnte, da noch nicht absehbar, ist das, was die Leipziger Zeitung jüngst bemängelte: Das ASG hat sich nicht an die Vorgaben aus dem 2020 beschlossenen Umsetzungsplan gehalten. Die Hauptwege in dem potenziellen Überschwemmungsgebiet sollten nämlich in Asphalt ausgeführt werden, statt sandgeschlämmt. Denn darin bilden sich im Laufe der Zeit Rillen und Absätze. Bei Hochwasser werden die Wege beschädigt bzw. weggeschwemmt und müssen anschließend mit viel Geld wieder angelegt werden. Es ist völlig unverständlich, warum sich das ASG – übrigens nicht nur hier – nicht an die Planungen hielt.  

Weiter ging es dann Richtung Sportplatz. Rechter Hand zog sich der Rietzschke-Graben, der im Fall der Fälle 120 Liter Wasser pro Sekunde vertragen kann. Am
Sportplatz selbst verläuft dieser verschlossen unter dem Tribünenhügel. Gleich hinter dem Sellerhäuser Viadukt stand die Gruppe vor einen großen Wald. Dieser wuchs die letzten 20 Jahre, nachdem damals in der schrumpfenden Stadt die Gärten aufgegeben und beräumt wurden. Es ging weiter Richtung Osten auf einem Weg unter dem damals zur selben Zeit der Mischwassersammler-Ost gebaut wurde. Gleich daneben – verrohrt – kann die Rietzschke entlangfließen.

Am Parkplatz des KGV „Immergrün“ schlug sich Gruppe in die Büsche und stand schnell am Rand des Vorfluters der Östlichen Rietzschke. Das verwunschen wirkende „Sellerhäuser Becken“ kann 20.000 m³ Wasser rückhalten. Trockenen Fußes wurde dieses durchquert und schon standen die Grün-Gänger an der neugebauten Bahnüberführung Tunnelwiese (ugs. Creepy-Tunnel). Hier fehlte allerdings noch die Rinne für die Rietzschke. Auch das ASG wussten nicht so genau, wann diese angelegt wird. Auf der anderen Seite der Bahnstrecke ging es durch den Park, vorbei am Stünzer Teich. Am Spielplatz Lilienweg in Mölkau endete der Spaziergang dann gegen 17 Uhr und die Teilnehmenden waren erstaunt, dass man inmitten einer Großstadt doch 3 km an einem Grünzug entlang gehen kann, ohne auch nur einmal eine Straßen kreuzen zu müssen.

weitere Renaturierung vorgesehen

Am 13. Oktober stimmte der Stadtrat für eine Renaturierung der Östlichen Rietzschke – auf deren gesamten ca. sieben km Länge. Nach der Retentionsfläche an der Grenze von Anger-Crottendorf zu Sellerhausen-Stünz wird weiter östlich die Bachsohle instand gesetzt. Darüber hinaus werden weitere Flächen entstehen, die bei künftigen Starkregenereignissen als Sammler und Ableiter dienen. Durch den Rückhalt bzw. die Versickerung der Niederschläge vor Ort wird der Landschaftswasserhaushalt stabilisiert und die Hochwasserspitzen bei Starkniederschlagsereignissen gedämpft. Zudem lässt der Kühleffekt von verdunstendem Wasser Mensch und Natur Hitzeperioden besser ertragen.

Als die abzustimmende Vorlage zuvor den Stadtbezirksbeirat-Ost erreichte, ging einem findigen Mitglied des Gremiums für Bündnis 90/ Die Grünen dieser nicht weit genug. Er ließ den Antrag um den zusätzlichen Punkt ergänzen, dass „in die Maßnahmen, der Wasserzufluss zum Stünzer Teich mit einbezogen wird“. Das freute dann auch den Bürgerverein Sellerhausen-Stünz, der seit Jahren für den Erhalt des Teiches im Einsatz sind.

Das Gehen ist die einfachste und unmittelbarste Art, die Welt zu erkunden. Alle Sinne sind währenddessen aktiv mit dabei.
Weitere interaktive Grün-Gänge, zum runterladen und sebst ablaufen, gibt es online, unter: www.talk-walks.net





Mehr Verkehrssicherheit in der Stünzer Straße

  • Veröffentlicht: Dienstag, 21. Dezember 2021 17:39

„Ich finde es beschämend, wenn bei Straßenbaumaßnahmen zur Verbesserung der Wegesicherheit für Fußgänger an Kreuzungen oder zur Aufwertung von Straßen mit Bäumen die Beteiligten vor allem über wegfallende Parkplätze diskutieren, anstatt über Sicherheit und Nutzen.“ So lässt sich Chris Gölker in der  aktuellen 27. Sellerhäuser Depesche zitieren. Gölker ist Mitarbeiter in einem Ingenieurbüro für Bauleit-, Verkehrs- und Tiefbauplanung und berät den Bürgerverein Sellerhausen-Stünz in Verkehrsfragen.

Ganz anders diskutiert wurde allerdings in Anger-Crottendorf. Am 14. September trafen sich die Mitglieder der AG Schulwegsicherheit, Mitglieder des Stadtbezirkbeirates-Ost, Eltern-vertreter*innen und die Leitungen der Kita Dschungelbande und der 74. Grundschule, sowie der Bürgerverein Anger-Crottendorf zu einem Vor-Ort-Termin in der Stünzer Straße. Um 7.30 Uhr tobte zwischen Kita und Grundschule das Leben und wuselte sich durch jede Menge totes Metall. Die Anwesenden konnten sehr schnell erkennen, dass die Kinder auf ihrem Weg zur Schule einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Gründe dafür sind parkenden Autos, die die Sichtverhältnisse einschränken, sowie ein fehlender, durchgängiger Gehweg, der Zufußgehende auf die Straße zwingt. Dazu kommen Elterntaxis, die ihre Kinder wohl zwanghaft bis zur Eingangstür fahren und – weil die Stünzer Straße eine Sackgasse ist – dann auch noch wenden müssen.

Die AG Schulwegsicherheit musste zugeben, dass diese Verkehrssituation bei ihr immer mal wieder Thema war – seit 15 Jahren! Bewegt hatte sich allerdings wenig. Auf Druck der oben genannten, einer Petition und nicht zuletzt durch das stetige Bohren des Bürgervereins und des Stadtbezirksbeirats-Ost ging nun endlich ein Nagel ins Brett.

Das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) wird sich diesen Abschnitt als Aufgabe ins Hausaufgabenheft schreiben. Das heißt, nach X Jahrzehnten Diskussionen wird sich ein/e Planer/in der Stadt diesen gesamten Straßenabschnitt anschauen und dazu praktikable Lösungen erarbeiten. Kurzfristige Verbesserungen wird es leider nicht geben, das gibt die sehr Auto-fixierte Straßenverkehrsordnung nicht her. Aber mittelfristig werden sich hier Veränderungen ergeben.

Der Stadtbezirksbeirat-Ost fragt im Frühjahr 2022 beim VTA noch einmal nach dem Stand der Planungen.

Wie der Straßenabschnitt allerdings auch genutzt werden kann, zeigte der diesjährige PARK(ing) Day. Dies ist im Beitrag zur Europäischen Mobilitätswoche nachzulese, unter: https://bv-anger-crottendorf.de/joomla/neues/61-was-brachte-die-europaeische-mobilitaetswoche-2021-anger-crottendorf


Leipzig geht voran: Stadt bringt Fußverkehrsstrategie auf den Weg

  • Veröffentlicht: Dienstag, 21. Dezember 2021 17:39

Der Fußverkehr in Leipzig soll systematisch und dauerhaft gefördert werden, um ihn attraktiver und sicherer zu machen. Dies geht aus dem entsprechenden Strategiepapier hervor, das Oberbürgermeister Burkhard Jung auf Vorschlag von Baubürgermeister Thomas Dienberg auf den Weg gebracht hat. Die Ratsversammlung bestätigte die Fußverkehrsstrategie bereits in der Sitzung am 14. Oktober. Thomas Dienberg, Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bau, sagt: „Die Stadt Leipzig möchte sich mit dieser strategischen Planung auf den Weg machen, um ihre guten Bedingungen und Qualitäten auszubauen und bis zum Jahr 2030 eine besonders fußgängerfreundliche Stadt mit Vorbildcharakter zu werden.“

Mit dem Entwurf der Fußverkehrsstrategie soll die konzeptionelle Grundlage zur systematischen und dauerhaften Förderung des Fußverkehrs in Leipzig gelegt werden. Die darin aufgezeigten Handlungsfelder und Maßnahmenbereiche betrachten alle Bereiche kommunaler Selbstverwaltung. Empfehlungen zu Modellprojekten sollen hierbei einen beispielhaften Einstieg in die systematische Fußverkehrsförderung geben. So wird etwa ein Projekt „100 Zebrastreifen für Leipzig“ vorgeschlagen, auch sollen Ampelschaltungen hinsichtlich der Warte- und Querungszeiten besser auf Fußgängerinnen und Fußgänger abgestimmt werden. Ein „Lücken-schlussprogramm“ könnte kleinräumige Problemlagen in den Fokus nehmen, bei denen die fußläufigen Verbindungen komplett fehlen oder zum Beispiel Treppen die Barrierefreiheit einschränken.

Das Strategiepapier schreibt das „Konzept für den Fußverkehr in Leipzig“ aus dem Jahr 1997 fort. Es dient gleichzeitig zur Umsetzung der Mobilitätsstrategie 2030 für eine nachhaltige Mobilität. In der Fußverkehrsstrategie werden sowohl Leitbilder beschrieben als auch strategische Ziele und Umsetzungsschritte benannt. Friedemann Goerl, Fußverkehrsverantwortlicher der Stadt, fasst das Leitbild der neuen Fußverkehrsstrategie zusammen: „Alle Menschen in Leipzig sollen sich sicher, bequem, ohne Angst und ohne Hindernisse im öffentlichen Raum bewegen können. Gleichzeitig soll das Gehen als grundlegende Form der urbanen Mobilität bei politischen Entscheidungsprozessen die entsprechende Wertschätzung erhalten.“

Das Konzept leitet davon 13 konkrete Ziele für Leipzig ab, etwa dass der hohe Fußverkehrsanteil von zuletzt 27,3 Prozent an allen Leipziger Wegen stabilisiert wird, dass öffentliche Räume – insbesondere Fußwege, Einmündungen, Kreuzungen – barrierefrei nutzbar sind, und dass dieser Raum gerecht aufgeteilt und städtebaulich gut gestaltet wird. Unfallgefahren für Fußgängerinnen und Fußgängern sollen perspektivisch reduziert werden, grundsätzliches Ziel ist es dabei, tödliche Unfälle mit ihnen gänzlich zu vermeiden. Dazu gehört etwa der barrierefreie Übergang vom Straßenraum in Grünflächen und die sichere Ausgestaltung im direkten Schulumfeld. Neben Tempo-30-Zonen müssten hier beispielsweise gegebenenfalls auch Zebrastreifen angeordnet werden.

Darüber hinaus soll der Fußverkehr gleichwertige personelle und finanzielle Ressourcen erhalten wie andere Verkehrsarten im städtischen Haushalt – derzeit rund sechs Millionen Euro jährlich, heißt es in dem Papier.

Leipzig war schon immer eine Fußverkehrsstadt. Breite Boulevards, ein in Europa einzigartiges Passagensystem in der Innenstadt, kurze Schlippen als Abkürzungen, und viele Schmuckplätze und Parks runden das Angebot ab – für die Eiligen genauso wie für die Flanierenden. Friedemann Goerl: „Fußverkehr ist die Grundlage für jegliche Mobilität in unserer Stadt und stellt dabei die natürlichste und grundlegendste Form unserer Fortbewegung dar. Gehen ist Ausdruck von Handlungsfreiheit, Unabhängigkeit und Teilhabe.“ Die Förderung des Fußverkehrs leistet gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung zahlreicher ökologischer, sozialer und ökonomischer Problemlagen, wie Ressourcen- und Flächenverbrauch, des demographischen Wandels oder der Klimakrise.

Die Fußverkehrsstrategie ist als Auftakt zum Fußverkehrsentwicklungsplan zu verstehen, der die konkreten Umsetzungsschritte plan- und evaluierbar festhält. Eine erste Beteiligung zur Fußverkehrsstrategie erfolgte bereits, unter anderem durch den Runden Tisch Fußverkehr und durch eine Onlinebefragung. Bürgerinnen und Bürger können sich zudem künftig in verschiedenen Formaten in den Fußverkehrsentwicklungsplan einbringen.

Weitere Informationen sowie die Fußverkehrsstrategie zum Download gibt es online, unter: www.leipzig.de/fussverkehr

In der letzten Ausgabe des ACAs war der Bürgerverein Anger-Crottendorf mit dem Fußverkehrsverantwortlichen Friedemann Goerl im Stadtteil unterwegs. Der Beitrag "Zu Fuß durch Anger-Crottendorf" ist nachzulesen:
- im Heft 13/ Herbst 2021, download: https://bv-anger-crottendorf.de/joomla/a-c-anzeiger
- online, unter: https://bv-anger-crottendorf.de/joomla/neues/58-zu-fuss-durch-anger-crottendorf




Sport frei!

  • Veröffentlicht: Montag, 20. Dezember 2021 05:50

Nicht nur Corona hat ja den Einen oder die Andere einrosten lassen. Damit Geist und Körper wieder in Schwung kommen, kann in Anger-Crottendorf verschiedenen Bewegungsarten nachgegangen werden.

Seit einem Jahr gibt es im Stadtteil einen Ableger der „Sportschule Mustang e.V.“
Christian Bergmann leitet als Gründungsmitglied seit über 20 Jahren den Verein, der als reiner Taekwondo-Verein in Grünau startete. Heute bietet die Sportschule ein reges Angebot von Einzelsportarten an. Der Chef selbst hat über die Zeit viele Trainerausbildungen genossen und ein Sportstudium abgeschlossen.
Der ACA traf Christian Bergmann in der Jöcherstraße.

ACA: Was ist die „Sportschule Mustang e.V.“?

Christian: Die Sportschule Mustang e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der überwiegend mit ehrenamtlichen Mitarbeitern im Sportbereich aktiv ist. Ich selber biete hier im Stützpunkt Zumba-Kids, Zumba-Fitness, Pilates, Reha-Sport und Aroha an. Aroha kommt aus Neuseeland und ist ein ständiger Wechsel zwischen Entspannung und spannungsvollen Elementen, inspiriert vom HAKA (sogenannter  Kriegstanz der Maori), dem Kung Fu und TaiJi. Es ist ein effektiver, unkomplizierter Gesund-heitskurs im 3/4 Takt für Körper und Geist. Unser Team unterrichtet hier am Stützpunkt darüber hinaus noch Taekwondo, Kindersport, Selbstverteidigung und Krav Maga. Krav Maga ist ein israelisches, modernes taktisches Selbstverteidigungssystem.

ACA: Welche Zielgruppen sprecht ihr an?

Christian: Wir richten uns an ein breites Publikum, von klein bis groß, von jung bis alt, kann man eigentlich sagen. Die Jüngsten, die hier trainieren, sind derzeit drei Jahre alt, die Ältesten sind ein bisschen über 80 Jahre.

ACA: Nach dem Start in Grünau, warum habt ihr euch ausgerechnet nach Anger-Crottendorf erweitert?

Christian: Nach Grünau haben wir in Großzschocher einen Stützpunkt eröffnet, weil ein Trainer dort in der Ecke wohnt und als Festangestellter sein Arbeitsplatz nicht so weit weg von seiner Wohnstätte sein sollte. Dann haben wir durch einen Zufall dieses Objekt hier leerstehend entdeckt und uns gesagt: Wir haben noch Kapazität. Wir haben noch Festangestellte, die noch was brauchen – wir machen, was draus.

ACA: Ihr habt den alten Flachbau ausgebaut. Was ist hier entstanden?

Christian: Seit November 2020, als der Lockdown für Sportvereine kam, sind wir hier. Wir haben das Objekt übernommen und den Lockdown eigentlich genutzt, um Renovierungsarbeiten durchzuführen. Ursprünglich war das mal ein Bäcker, eine Drogerie und ein Fleischer. Nun haben wir hier im hinteren Bereich eine Herren- und Damenumkleide mit gesponserten Spiegeln und einen Personalraum. Früher war das ein einfacher Raum mit einem Loch im Boden, wo es noch in den Keller ging. Den vorderen Bereich haben wir durch eine Trennwand in einen 80m² großen Trainingsraum und in einen Empfangsbereich geteilt. Alle Umbauarbeiten wurden vom Vorstand und Trainern selbst absolviert, bis auf Wasser- und Elektroarbeiten.

ACA: Wie wird euer Angebot angenommen? Woran fehlt es?

Christian: Es werden fast alle Trainings angenommen. Der Reha-Sport läuft gerade nicht so gut, weil da wohl coronabedingt die Krankenkassen nicht mehr so viel Geld zur Verfügung stellen. Das ist aber überall gerade so. Da ist noch jede Menge Luft nach oben!
Unsere Trainer sind derzeit ausgelastet. Aber wir suchen wieder ehrenamtliche Trainer speziell für Anger-Crottendorf. Eine Bauchtanztrainerin beispielsweise wird dringend gesucht, wobei es gegebenenfalls auch mit Integration funktionieren könnte. Wir könnten die Schaufenster zu machen und organisieren, dass kein Mann im Objekt ist, um speziell Frauenkurse abzuhalten.
Wir werden in der Nachbarschaft sehr gut aufgenommen! Das Trainingsangebot wird allerdings noch nicht so genutzt, wir haben aber auch noch nicht groß Werbung gemacht. Im Moment haben wir hauptsächlich Laufkundschaft über Facebook und so.

ACA: Werdet ihr Sonderangebote machen?

Christian: Sonderangebote wird es bei uns nie geben. Ein Schnuppertraining ist in allen Bereichen immer machbar. Die Leute können immer zum Probetraining kommen. Im Taekwondo-Bereich können sie dreimal trainieren, in allen anderen Bereichen einmal. Wenn ich freitags hier Training gebe, dann schauen ab und zu Leute durch die Schaufenster und beim nächsten Mal stehen sie selbst hier im Trainingsraum. Das ist halt sehen und gesehen werden.

ACA: Was antwortet ihr Menschen, die sagen, ihr bringt Kindern das Prügeln bei?

Christian: Also das hat mir tatsächlich noch keiner gesagt. (lacht) Als wir umgebaut haben, kamen viele aus der Nachbarschaft, haben sich gefreut und kundig gemacht: „Was macht ihr denn hier? Was wird hier mal draus?“ „Ach, wir dachten,  hier wird 'ne Pizzeria draus oder so was.“ Und da hatten auch manche Bedenken oder Angst und dann: „Oh nee, das ist ja was Tolles, was Schönes.“

ACA: Kooperiert ihr mit Schulen?

Christian: Wir führen seit drei, vier Jahren Ganztagsangebote in der Käthe-Kollwitz-Schule durch. Nun haben wir es so vereinbart, dass die Kinder in den neuen Stützpunkt gebracht werden. Sie machen hier ihr Taekwondo-Training und dann werden sie in den Hort gebracht. Vorher haben wir das in deren Turnhalle gemacht. Seit diesem Jahr nun hier, dann ist alles einfacher. Der Trainer muss keine Materialien hin und her schleppen und hat alles im Blick.

ACA: Trainiert ihr hier auch für Wettkämpfe? Wird es mal einen Schautag geben?

Christian: Ein Wettkampf-Turnier im Taekwondo-Bereich ist für dieses Jahr noch nicht geplant. Das ist für nächstes Jahr angedacht. Wir müssen die Kinder ja erst trainieren, so dass sie auf ein Level kommen. Dann holen wir sie aus verschiedenen Stützpunkten zusammen und machen ein kleines Turnier mit dem Ziel, dass sich die Kinder für Turniere auf Landesebene qualifizieren.
Coronabedingt war alles – auch die Turniere – zurückgefahren. Einer der Kids Trainer im Taekwondo war bei internationalen Meister-schaften dabei, er ist deutscher Vizemeister in Taekwondo und war auch Sportler des Jahres. Wir wollen in Zukunft den nationalen und internationalen Bereich wieder hochfahren. Aber dazu brauchen wir auch wieder ein paar Talente. Daher arbeiten wir in drei Stützpunkten, dass wir ein gutes Team zusammenstellen können. Die Zumba-Kids arbeiten schon fleißig dran, dass die sich im Stadtteil präsentieren können, so auch die Taekwondo-Kinder.
 
ACA: Wo steht die „Sportschule Mustang e.V.“ in zwei und in fünf Jahren?

Christian: Da es uns schon 20 Jahre gibt, weiß ich, was wir als Team schaffen können: Definitiv wird hier in den nächsten zwei bis fünf Jahren eine Taekwondo-Mannschaft aufgestellt. In den Trainingsgruppen werden 20 bis 25 Kinder regelmäßig zwei Mal die Woche trainieren und an Turnieren teilnehmen. Unsere Trainingswoche ist recht voll, aber wir haben noch Luft nach oben. Die Trainer sind im vollen Einsatz und haben genügend zu tun, daher suchen wir für diesen Stützpunkt noch ehrenamtliche Unterstützung. Dies kann auch aus anderen Bereichen sein und wer noch etwas Freizeit neben der Arbeit hat, kann uns gern helfen.

Sportschule Mustang e.V.
Jöcherstraße 1A/B

0177/ 3 26 19 42, info [AT] sportschule-mustang [PUNKT] de

www.sportschule-mustang.de/Anger-Crottendorf
www.facebook.com/Sportschule.Mustang





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